KI & Glaube (BiWuZoGe) • Teil 1 von 3
BiWuZoGe-01 - Wie KI unsere Wut nutzt
Thomas Roser
26. Dezember 2025
“BiWuZoGe”: Wie KI unsere Wut nutzt, um Klicks zu kassieren – und wie wir uns wehren
BiWuZoGe? Was soll denn das sein? Diese Abkürzung steht für eine reale Gefahr, die unseren Alltag und unser Miteinander zunehmend prägt.
Vor Kurzem berichtete ein Online-Magazin über ein KI-generiertes TikTok-Video, das viral ging. Es zeigte eine extrem aggressive Kundin an einer Supermarktkasse. Obwohl das Video deutlich als KI-generiert gekennzeichnet war, wurde es hunderttausendfach aufgerufen und geteilt.
Die Reaktionen darauf waren wütende Kommentare – die einen schimpften über die Kundin, die anderen über den fehlenden Service. Kaum jemand bemerkte oder beachtete, dass die Szene unecht war. Stattdessen wurden weitere ähnliche Videos mithilfe künstlicher Intelligenz produziert.
Das Online-Magazin Watson fasste die Strategie hinter diesem Trend treffend zusammen:
“Er setzt wohl gezielt darauf, Menschen durch solche konfliktreichen KI-Szenen, zu emotionalisieren und dadurch Klicks zu generieren. Und damit ist er nicht allein.”
Heute schauen wir darauf, wie und warum das gemacht wird. Das Zitat benennt es klar: Emotionalisieren, um Klicks zu generieren.
Die Mechanik der Empörung
Wenn Menschen emotional berührt – oder neudeutsch “getriggert” – werden, reagieren sie. Genau das ist gewünscht. Selbst wenn nur 10% der Zuschauer kommentieren oder teilen, vervielfacht sich die Reichweite rasant. Deshalb sind sehr viele Inhalte in sozialen Netzwerken gezielt darauf angelegt, aufzuregen und starke Reaktionen zu provozieren.
Jeder, der solche Beiträge (Text, Bild, Video) veröffentlicht, will seine Reichweite steigern. Er will Likes bekommen und er möchte, dass sein Beitrag geteilt wird. Mit einer großen Reichweite wird man „erfolgreich“ und kann letztlich sogar Geld durch Werbung verdienen.
Die Idee, mit Emotionen Menschen zu bewegen, ist nicht neu – es ist eine uralte Strategie. Schon im antiken Rom wusste man, wie man Menschen mit Emotionen mobilisiert. Die Kaiser inszenierten spektakuläre, drastische und blutige Spiele. Das Ziel? Das Volk emotional zu fesseln und so ihre Zustimmung und Aufmerksamkeit zu sichern. Auch die “Boulevardpresse” perfektionierte später die Masche mit großen, emotionalisierenden Schlagzeilen, die Ärger und Aufregung produzierten, um den Verkauf anzukurbeln. Das waren damals schon drastische Dinge. Wir leben aber in einer Zeit, in der die Dinge auf die Spitze getrieben und industrialisiert werden. Früher waren das eng begrenzte Phänomene. Heute sehen wir eine Massenbewegung. Denn mit künstlicher Intelligenz sind heute noch ganz andere Dinge möglich.
Heute mit KI-Unterstützung: “Rage Farming”
Heute werden mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) in kürzester Zeit ganze Kampagnen entwickelt. Diese sind darauf ausgelegt, gezielt Hass, Wut, Empörung und Zorn zu produzieren. Je heftiger das Gefühl, desto besser. Je extremer die Schlagzeile und je drastischer das Video, desto größer der Erfolg. Es gibt politische Parteien, deren einziges Geschäftsmodell die Erzeugung von Empörung und Wut ist. Aber auch außerhalb der Politik sehen wir, wie immer mehr emotionalisierende Videos und Texte produziert werden. Die Inhalte für Facebook, TikTok, Instagram, YouTube, WhatsApp usw. werden teilweise immer extremer. Immer öfter von Hass, Empörung und Wut getrieben und Hass, Empörung und Wut erzeugend. Dieser schreckliche Trend wird immer schneller und extremer und dabei hilft KI.
Dafür gibt es sogar einen Fachbegriff: “Rage Farming” – die Wut bewirtschaften. Und damit sind wir zurück bei unserer Überschrift: BiWuZoGe steht nämlich für Bitterkeit, Wut, Zorn und Geschrei. Genau das wird durch geschickt formulierte Überschriften und Artikel, durch Videos und Social-Media-Beiträge erzeugt. Und die Plattformen spielen dabei eine gewichtige Rolle. Wir kennen die genauen Algorithmen der großen Plattformen nicht, aber wir wissen grundsätzlich schon, wie sie funktionieren:
1. Jeder Klick wird analysiert
Jede deiner Handlungen auf Social-Media-Plattformen wird gespeichert. Mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) wird jeder Klick und jeder Kommentar auf der Plattform analysiert: Wie lange du ein Video anschaust, was du kommentierst, was du teilst. Je genauer eine Plattform dein Verhalten kennt, desto besser kann sie dich binden.
Die Algorithmen dahinter berechnen genau, welchen nächsten Beitrag oder welches nächste Video sie dir anzeigen müssen, damit du noch länger auf der Plattform bleibst und bestenfalls auch selbst aktiv wirst, indem Du z.B. einen Kommentar abgibst oder etwas teilst.
2. Maßgeschneiderte Ausspielung von Inhalten
Diese KI-unterstützen Systeme sind hervorragend darin, Muster zu erkennen. Sie finden heraus, welche Inhalte bei welchen Gruppen die größte Wirkung erzielen. Das ist sehr oft die Wut. Deswegen werden heute massenhaft Inhalte produziert und das mit KI-Unterstützung, die möglichst viele Menschen auf unangenehme Weise emotional berühren und heftige Gefühle hervorrufen: Bitterkeit, Wut, Zorn und Geschrei (BiWuZoGe).
Diese Methode ist einfach und gleichzeitig hochwirksam:
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Person 1 regt sich über Thema X auf und reagiert besonders stark auf Videoinhalte, also bekommt er lauter Videos zu dem Thema X, die seine Meinung meist bestätigen und ihn maximal aufregen.
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Person 2 liest gerne lange Artikel über Thema Y und bekommt viele Textangebote zu Thema Y, die aber so angelegt sind, dass er sich möglichst stark empört.
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Person 3 reagiert stark auf Bilder und ist beim Thema Z absolut allergisch. Na gut, dann bekommt er eben immer wieder Bilder zu dem Thema.
Alle drei Personen bleiben lange auf der jeweiligen Plattform, kommentieren, teilen und sowohl die Plattform als auch die Produzenten verdienen durch Werbung Geld.
Die reelle Gefahr
Die traurige Wahrheit ist: Wer heute einen Beitrag produziert, der Bitterkeit, Wut, Zorn und Geschrei hervorruft, der hat deutlich größere Chancen, auf den großen Plattformen oft gezeigt zu werden, als jemand mit einer sachlichen, nüchternen Betrachtung.
Wir befinden uns in einer reellen Gefahr, die bereits heute greifbare Auswirkungen auf unser Zusammenleben hat. Es ist notwendig, diese Mechanismen zu verstehen, denn Bitterkeit, Wut, Zorn und Geschrei destabilisieren nicht nur Demokratien und Staaten, sondern auch das Zusammenleben innerhalb der christlichen Gemeinde
Was sagt Gottes Wort dazu?
Jetzt kommen wir zum wichtigsten Teil. Nach der notwendigen Beschreibung der Gefahr fragen wir, wie wir uns schützen können. Und Gott hat in seinem Wort eine ganze Menge dazu zu sagen. Nicht zu Künstlicher Intelligenz, aber zu dem eigentlichen Problem: Bitterkeit, Wut, Zorn und Geschrei. Die Heilige Schrift ist hier sehr klar und eindeutig:
[Epheser 4,31 - Schlachter 2000]
Alle Bitterkeit und Wut und Zorn und Geschrei und Lästerung sei von euch weggetan samt aller Bosheit.
Manche Bibelstellen sind rätselhaft und sie können nur nach längerer Überlegung und Auslegung verstanden werden. Diese Aussage muss nicht ausgelegt werden. Sie ist so einfach, dass sie ein Kind verstehen kann. Sie ist so simpel und so klar, dass man sich schon die Frage stellen muss, wie es überhaupt Christen geben kann, die das übersehen - oder ignorieren können. Wir werden uns das in einem der folgenden Artikel noch genauer anschauen. Jetzt springen wir aber mal ein paar Verse zurück in Epheser 4 und entdecken, wie groß die Gefahr für Christen ist, die sich auf den Zorn einlassen:
[Epheser 4,26-27 - Schlachter 2000]
26 Zürnt ihr, so sündigt nicht; die Sonne gehe nicht unter über eurem Zorn!
27 Gebt auch nicht Raum dem Teufel!
Hier erfahren wir, wie groß die Gefahr ist, in die wir uns begeben, wenn wir Zorn pflegen. Wir geben damit dem Teufel Raum. Zorn ist also nichts, womit man sich einfach abfinden kann. Als Christen sind wir verpflichtet, uns gegen Zorn zu wehren. Gegen jeden Zorn und zuallererst immer gegen unseren eigenen Zorn. Wir können nicht leichtfertig so tun, als würde uns das alles nichts angehen, wenn unsere Gesellschaft immer mehr in Hass und Wut versinkt. Das hat direkte Auswirkungen auf uns und ich hoffe, ich konnte auch aufzeigen, dass wir über das Internet direkt mit Bitterkeit, Wut, Zorn und Geschrei konfrontiert sind.
In den nächsten Artikeln schauen wir uns an, was die Bibel noch dazu sagt und wie uns Gottes Vergebung Mut gegen die Wut schenkt, damit wir nicht länger in der Falle von Bitterkeit und Wut gefangen sind. Wir entdecken gemeinsam Gottes Gegenprogramm gegen die Wut.
Teil 2: Gottes Gegenprogramm zu Wut und Zorn
Teil 3: Mut gegen die Wut: Wie uns Gottes Vergebung von “BiWuZoGe” befreit