Kolosser 2,1-3
Thomas Roser
31. Mai 2026
Verwurzelt in Christus (Kolosser 2,1–3)
Predigt vom 31. Mai 2026
Man kann viel theoretisches Wissen über Wasser besitzen – seine chemische Formel kennen oder wissen, bei wie viel Grad es gefriert. Doch dieses reine Kopfwissen rettet niemanden, der in der Wüste kurz vor dem Verdursten steht. Erst wer das Wasser trinkt, erfährt seine lebensrettende Kraft.
Genau um diesen Unterschied ging es in der Predigt über Kolosser 2,1–3: Der Unterschied zwischen bloßer Theorie und einer lebendigen, verändernden Beziehung zu Jesus Christus.
Predigt-Kolosser_2_1-3
Einleitung
Wasser ist gefährlich, wenn man zu viel davon abbekommt. Nun ist Wasser ja nicht nur gefährlich, sondern auch lebensnotwendig und man kann ganz viel Wissen anhäufen über Wasser. Z.B. kann man aus dem Chemieunterricht wissen, dass ein Wassermolekül aus zwei Wasserstoffatomen und einem Sauerstoff-Atom zusammengesetzt ist. Oder aus der Physik, dass Wasser unter 0 Grad Eis ist und über 100 Grad verdampft. Oder aus dem Biologie, dass der Mensch zu 70% aus Wasser besteht. Was bringt mir nun dieses Wissen über Wasser? Wir kommen ganz am Schluss noch einmal auf genau dieses Thema zurück.
Textlesung
Kolosser 2 Schlachter 2000
1 Ich will aber, dass ihr wisst, welch großen Kampf ich habe um euch und um die in Laodizea und um alle, die mich nicht von Angesicht gesehen haben,
2 damit ihre Herzen ermutigt werden, in Liebe zusammengeschlossen und mit völliger Gewissheit im Verständnis bereichert werden, zur Erkenntnis des Geheimnisses Gottes, des Vaters, und des Christus,
3 in welchem alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen sind.
4 Das sage ich aber, damit euch nicht irgendjemand durch Überredungskünste zu Trugschlüssen verleitet.
5 Denn wenn ich auch leiblich abwesend bin, so bin ich doch im Geist bei euch und sehe mit Freuden eure Ordnung und die Festigkeit eures Glaubens an Christus.
6 Wie ihr nun Christus Jesus, den Herrn, angenommen habt, so wandelt auch in ihm,
7 gewurzelt und auferbaut in ihm und gefestigt im Glauben, so wie ihr gelehrt worden seid, und seid darin überfließend mit Danksagung.
8 Habt acht, dass euch niemand beraubt durch die Philosophie und leeren Betrug, gemäß der Überlieferung der Menschen, gemäß den Grundsätzen der Welt und nicht Christus gemäß.
9 Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig;
10 und ihr seid zur Fülle gebracht in ihm, der das Haupt jeder Herrschaft und Gewalt ist.
Vorstellung der Gliederung
Ich möchte nun nur die ersten drei Verse auslegen und habe das so gegliedert:
- Der Kampf des Apostels für die Gläubigen
- Das Ziel des Apostels - Schutz durch ein festes Fundament
- Das verborgene Geheimnis und der überragende Reichtum
1. Der Kampf des Apostels
1.1. Paulus an der Frontlinie des Glaubens
Kolosser 2 Schlachter 2000
1 Ich will aber, dass ihr wisst, welch großen Kampf ich habe um euch und um die in Laodizea und um alle, die mich nicht von Angesicht gesehen haben.
Wer die Apostelgeschichte und die Briefe des Apostels Paulus gelesen hat, der weiß, mit welchen Anstrengungen dieser Mann konfrontiert war. Er lebte und arbeitete nicht einfach im stillen Kämmerlein und schrieb dort seine so wertvollen Briefe. Nein, er war vor Ort, dort wo es nicht immer einfach war. Er verbreitete das Evangelium von Jesus Christus und wurde von Juden und Römern dafür verfolgt. Er trat in den Gemeinden für das Evangelium ein und wurde dafür angefeindet. Er war aber auch keiner, der vor einem Kampf zurückschreckte. Er ging nie einem Streit um das Evangelium und für die Gemeinde aus dem Weg.
1.2. Paulus und die Streitsüchtigen
Manche nehmen sich an Paulus ein Vorbild und streiten gern. Aber es gibt einen gewaltigen Unterschied zwischen Paulus und diesen Streitsüchtigen. Denn in Kolosser 2,1 steht: der Apostel kämpfte UM die Gemeinde und in anderen Übersetzungen FÜR die Gemeinde. Die Streitsüchtigen unserer Tage, die streiten nie für die Gemeinde, die streiten nie für die Gemeinschaft der Geschwister der Kinder Gottes. Sie streiten immerfort nur für ihre eigenartigen Ansichten. Keiner dieser Leute, kein einziger, kann sich auf Paulus berufen. Denn Paulus stritt nicht für seine eigene Vorstellung von Gemeinde. Er kämpfte nicht gegen die Geschwister, um seinen Willen durchzusetzen.
Schauen wir uns nun zwei Dinge an, die wir von Paulus und von seinem Kampf lernen können:
1.3. Das Ziel seines Kampfes
Kolosser 2 Schlachter 2000
1 Ich will aber, dass ihr wisst, welch großen Kampf ich habe um euch und um die in Laodizea und um alle, die mich nicht von Angesicht gesehen haben,
2 damit ihre Herzen ermutigt werden, in Liebe zusammengeschlossen und mit völliger Gewissheit im Verständnis bereichert werden, zur Erkenntnis des Geheimnisses Gottes, des Vaters, und des Christus,
3 in welchem alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen sind.
Alles im Dienst des Paulus läuft auf einen einzigen Punkt zu. Er nennt in Vers 2 drei Dinge, aber diese münden alle in ein einziges Ziel ein: Christus. Im Kolosserbrief dreht sich alles um Christus. Jesus Christus ist der Dreh- und Angelpunkt von Paulus’ Botschaft in allen seinen Briefen und sein großes Ziel. Deshalb zieht Paulus eine klare Linie: Alles, was vom Ziel ablenkt, also von Jesus Christus wegführt – ob philosophische Theorien, menschliche Überlieferungen oder religiöse Verhaltensregeln –, das hat für ihn keinen Wert. Im Gegenteil. Solche Dinge lenken nur ab und stehen einer echten, tiefen Beziehung zu Jesus Christus im Weg. Damit sind sie schädlich und müssen weg. Diese radikale Konzentration auf das Wesentliche, auf Christus hin ist ein starkes Vorbild für unseren eigenen Glauben.
1.4. Die Ernsthaftigkeit seines Kampfes
Wir alle kennen Fleiß, wenn es um weltliche Dinge geht: den Garten auf Vordermann bringen, das Haus renovieren, die Wohnung makellos sauber halten. Wir investieren so viel Zeit in die Dinge, die man sieht: Kleidung, Auto, Smartphone, Frisur.
Das ist an und für sich überhaupt kein Problem. Daran ist nichts verwerflich. Aber Hand aufs Herz: Wenn wir Gottes Wort wirklich so ernst nehmen würden wie die äußeren Dinge in unserem Alltag – wie viel würden wir dann in der Bibel lesen? Wenn die Bibel so viel Bildschirmzeit bekäme wie dein Handy, was würde sich in deinem Leben verändern? Wo kennst du dich besser aus: im Neuen Testament oder im Whats-App-Status deiner Bekannten? Ist Jesus dir so wichtig wie dein Haus, dein Auto, dein Smartphone, deine Frisur? Wem widmest Du mehr Zeit und Aufmerksamkeit?
Bist Du denn wenigstens hier im Gottesdienst voll für Jesus da? Ich möchte hier kein neues Gesetz aufstellen, aber ich möchte dir einen dringenden Rat ans Herz legen: Bring deine Bibel mit in den Gottesdienst und nimm dir einen Zettel und einen Stift mit. Ganz egal, wer hier vorne predigt – Gott hat eine Botschaft für dich. Wenn dein Chef mit dir redet und dir etwas wichtiges sagt, dann schreibst du ja auch mit. Wenn du erwartest, hier im Gottesdienst etwas Wichtiges von Gott zu hören, schreib es auf!
Letzte Woche haben wir in der Predigt davon gehört, wie Gottes Wort uns verändern will. Jona hat gesagt, dass das Wort Gottes uns zurechtbringen soll. Es soll unser Denken, unser Reden und unser Handeln verändern. Er hat dann 2. Timotheus 3 zitiert, wo ja steht, dass das Wort Gottes viel mehr ist, als nur das Baumaterial für unsere theologischen Gedankengebäude.
2.Timotheus 3,16-17
16 Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Belehrung, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit,
17 damit der Mensch Gottes ganz zubereitet sei, zu jedem guten Werk völlig ausgerüstet.
Wir alle müssen zubereitet werden. Wie geht das?
Paulus schreibt im Philipperbrief: „Schaffet, dass ihr selig werdet, mit Furcht und Zittern.“ Glauben wir im Ernst, Nachfolge passiert einfach so im Vorbeigehen? Bist du denn wirklich mit ganzem Herzen dabei? Darf der Heilige Geist an Dir arbeiten? Strebst Du danach, brennst Du dafür, kämpfst du darum, dass der Heilige Geist dein Inneres verändert? Ist das dein Kampf? Oder kämpfst du am Ende lieber gegen die Gemeinde und deine Geschwister, nur weil dir eine äußere Kleinigkeit nicht passt?
Wenn wir uns also Paulus zum Vorbild nehmen wollen, dann müssen wir mit Ernsthaftigkeit, mit Furcht und Zittern, mit ganzer Kraft, unserem ganzen Herzen und unserem ganzen Verstand für das richtige kämpfen - nämlich darum, den Herrn zu lieben und unseren Nächsten.
2. Das Ziel des Apostels
Kolosser 2 Schlachter 2000
1 Ich will aber, dass ihr wisst, welch großen Kampf ich habe um euch und um die in Laodizea und um alle, die mich nicht von Angesicht gesehen haben,
2 damit ihre Herzen ermutigt werden, in Liebe zusammengeschlossen und mit völliger Gewissheit im Verständnis bereichert werden, zur Erkenntnis des Geheimnisses Gottes, des Vaters, und des Christus,
In diesem Vers 2 beschreibt uns Paulus, was er eigentlich mit seinem Kampf UM und FÜR die Gemeinde erreichen wollte.
2.1. Die Ermutigung der Herzen
Wenn vom Herzen die Rede ist, dann geht es im NT normalerweise nicht um den Muskel, der das Blut durch den Körper pumpt, sondern es geht um das Kontrollzentrum, wo der Wille des Menschen sitzt und wo die Entscheidungen getroffen werden. Es geht um unsere innersten Einstellungen, um unsere Empfindungen, es geht um Freude, Schmerz, Leid, Liebe und um den Verstand, das Denken. Das Herz ist der Ort, wo Gehorsam oder Rebellion und Widerspenstigkeit stattfinden. Paulus weiß von Epaphras, wie es um die Herzen der Kolosser bestellt ist. Er bescheinigt ihnen im 1.Kapitel einen tiefen Glauben an den Herrn Jesus Christus und eine ebenso tiefe Liebe zu allen Gläubigen. Aber sie sind in Gefahr. Sogar in zwei Gefahren. Da ist einmal die Gnosis mit ihrer menschlichen Logik und menschlichen Weisheit. Da ist zum anderen die Gefahr durch die, die jede Veränderung ablehnen, weil sie festhalten an menschlichen Überlieferungen. Sie stehen nicht fest zu Christus, sondern fest zur Tradition. Paulus möchte nun die Herzen der Kolosser, also ihr Denken ermutigen und so sicherstellen, dass sie nicht auf diese Leute hereinfallen. Er möchte ihr Denken prägen. Dazu setzt er nicht wohlklingende Worte ein, sondern er predigt das reine Evangelium. Die frohe Botschaft von Jesus Christus verändert unser Denken. Sie verändert unseren Blick auf die Welt, weil unser Blick auf den Herrn und auf seinen Heilsplan gelenkt wird. So werden unsere Herzen ermutigt.
2.2. Die Geschlossenheit in der Liebe
Das ist das, was die Gemeinde auszeichnet und abhebt von allen menschlichen Vereinigungen. Jesus hat gesagt, dass genau diese Liebe zueinander zeigt, wer seine wahren Jünger sind. Wichtig: Man erkennt die wahren Jünger Jesu also nicht daran, dass sie bestimmte Lehren für wahr halten oder eine bestimmte Art und Weise haben, wie sie Gottesdienst feiern. Sondern an der Liebe zueinander. Paulus bescheinigt den Kolossern in Kapitel 1,4 diese Liebe zu allen Heiligen. Hier in Kapitel 2 wünscht er sich, dass auch ihre Herzen, also ihr Denken in Liebe zusammengeschlossen wird. Das kann natürlich nur Gott schenken und doch will er von uns, dass wir das mit Leben füllen. Echte Jünger Jesu erkennt man an ihrer Liebe zueinander. Sie sind zusammengeschlossen und lassen sich nicht auseinandertreiben. Sie reden nicht schlecht übereinander, sondern ermuntern und ermahnen einander in Liebe. Sie murren und maulen nicht, sondern treten im Gebet für die Geschwister ein. Sie zeigen nicht Widerspenstigkeit und Feindschaft, sondern Freundlichkeit und Barmherzigkeit.
Ich meine hier in diesem Vers noch etwas anderes erkennen zu können: Die Eintracht in der Liebe, die Geschlossenheit in der Liebe ist nicht nur eine Begleiterscheinung, sondern sie ist die Voraussetzung für tiefere Erkenntnis. Das verborgene Geheimnis kann nur dann wirklich entschlüsselt werden, wenn man es gemeinsam tut - zusammengeschlossen in Liebe. Eine Liebe, die uns verbindet und uns nicht trennt.
2.3. Die Gewissheit im Verständnis
Paulus möchte auch erreichen, dass die Gemeinde versteht. Und zwar völlig versteht und das auch völlig gewiss.
Kolosser 2 Schlachter 2000
2 damit ihre Herzen ermutigt werden, in Liebe zusammengeschlossen und mit völliger Gewissheit im Verständnis bereichert werden
Hier wird nun das Verstehen angesprochen und immer noch geht es um den Verstand. Es geht um dein Denken. Der christliche Glaube ist nun mal so völlig anders, als seine Kritiker behaupten. Gott hat uns mit seinem Wort eben nicht nur ein Gesetzbuch gegeben und wir sollen den Verstand im Auto lassen, wenn wir hier reinkommen. Ein Gesetzbuch wäre ja viel einfacher, denn da müsste man nicht viel nachdenken, sondern einfach nur ein paar Regeln befolgen und alles ist gut. Aber das ist es eben nicht. Die Befolgung von Regeln ist nicht der Kerninhalt des Evangeliums, wie uns Paulus ab Vers 16 zeigt. Die Betonung auf Äußerlichkeiten widerspricht dem heiligen und heilmachenden Evangelium unseres Herrn und Heilands Jesus Christus. Es gibt nur zwei äußere Formen, die für die Gemeinde verbindlich gelten: Die Taufe der Gläubigen und die Mahlfeier der Gläubigen. Anderen Überlieferungen nachzulaufen ist ein Irrweg und wer behauptet, bestimmte äußere Formen sind von der Gemeinde zwingend einzuhalten, der ist ein Irrlehrer. Ein Verführer. Ein Wolf im Schafspelz. Paulus lehrt so etwas nicht, sondern er möchte erreichen, dass wir alle zur völligen Gewissheit des Verständnisses kommen. Die LEHRE des Evangeliums ist deswegen das zentrale Element jeder christlichen Verkündigung. Wir kommen hier nicht jede Woche zusammen, um die wöchentliche Verlesung von Gesetzen, Regeln, Verordnungen abzuhalten. Sondern wir kommen zusammen, um Gottes Wort zu verkündigen und das ist weit mehr als Gesetze, Regeln und Verordnungen. Je besser wir das Evangelium verstehen, desto mehr Gewissheit bekommen wir im Verständnis.
2.4. Das Entstehen von Verständnis
Wie kommt es zur völligen Gewissheit des Verständnisses. Neben der Verkündigung müssen noch zwei weitere Dinge passieren. Drei Dinge müssen zusammenwirken:
- Die Verkündigung des Evangeliums. Eine bibeltreue Verkündigung von Christus und das ist nicht eine Verlesung von Gesetzen, Regeln und Verordnungen.
- Der Heilige Geist muss wirken, denn nur durch ihn können wir verstehen.Jürgen sagte heute, dass das Fortschreiten in der Heiligung ein Automatismus ist. da hat er auch recht, weil die Frucht des Geistes wächst, wenn die Bedingungen stimmen . Aber genau genommen doch nicht automatisch, sondern weil der Geist wirkt. Nur, wenn der Heilige Geist an uns arbeitet, kann sich unser Denken wirklich ändern. Deswegen ist es gut und richtig, immer wieder ernsthaft um Weisheit und Erkenntnis zu bitten. Die Betonung liegt dabei auf ernsthaft und damit kommen wir zum zweiten Punkt.
- Es kommt auch auf uns selbst an. Unsere Einstellung dazu ist wichtig. Willst Du dich überhaupt verändern lassen? Oder hängst du der völlig irrsinnigen Wahnidee an, Du wärest schon fertig und heilig genug? Es gibt ja solche, die sich Christen nennen und die meinen, die anderen müssten sich schon ändern, aber nicht sie selbst. Man erkennt sie daran, dass sie sich vielleicht ab und zu mal entschuldigen und doch nie Buße tun. Sie kehren nie um und wiederholen ihr Verhalten immer und immer wieder. Sie wollen sich nicht ernsthaft verändern lassen. So jemand kann nicht im Glauben wachsen und voran kommen. Diese Menschen haben einen Anschein von Gottesfurcht, deren Kraft aber verleugnen sie. Denn die Kraft der Gottesfurcht ist eine lebensverändernde Kraft. Sie verändert unser Denken. Bist Du bereit zu wachsen? Bist Du bereit, dich verändern zu lassen? Willst du dazu lernen? Dann streng dich an. Bitte den Herrn um Weisheit und er wird sie dir reichlich schenken. Täusch dich aber nicht: Das erfordert Anstrengung - das ist ein Kampf und das geht nicht, wenn Du gemütlich auf deinem Stuhl sitzst und auf das Essen wartest.
2.5. Der Reichtum des Verständnisses
Nun haben wir uns den Kampf des Apostels angeschaut und wir haben das Ziel des Apostels gesehen.
Kolosser 2 Schlachter 2000
2 damit ihre Herzen ermutigt werden, in Liebe zusammengeschlossen und mit völliger Gewissheit im Verständnis bereichert werden
Nun möchte ich noch auf ein kleines Wörtchen hinweisen, das man leicht übersehen kann. Da steht in der Schlachter 2000 “im Verständnis bereichert”. Luther 17 und Jantzen 22 und Elberfelder haben hier “Reichtum des Verständnisses”. Es geht also darum, dass wir uns hier bereichern können. Das ist die einzige Stelle, wo ich Habgier nicht als Sünde ansehen würde. Hier dürfen wir uns bereichern, denn es geht nicht um weltlichen, vergänglichen Reichtum, sondern um einen himmlischen, heiligen, geistlichen Reichtum. Wir schließen damit nun auch diesen Gedanken ab und kommen zum 3. und letzten Punkt dieser Predigt:
3. Das verborgene Geheimnis
Kolosser 2,2-3
2 damit ihre Herzen ermutigt werden, in Liebe zusammengeschlossen und mit völliger Gewissheit im Verständnis bereichert werden, zur Erkenntnis des Geheimnisses Gottes, des Vaters, und des Christus,
3 in welchem alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen sind.(Übersetzung: Schlachter 2000)
Also da ist ein Geheimnis und etwas, das verborgen ist. Was ist das für ein Geheimnis? Warum ist es ein Geheimnis, also verborgen? Wie kann man das Geheimnis aufdecken oder entschlüsseln? Vier Punkte hierzu:
- Das Geheimnis der Nähe
- Das Geheimnis des Reichtums
- Die Suche nach verborgenen Schätzen
- Das Geheimnis und sein Schlüssel
3.1. Das Geheimnis der Nähe
Wie persönlich diese Erkenntnis sein kann und wie mutmachend und Kraft spendend, das zeigt der Apostel schon in Kolosser 1,27 “Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit”. Auch da spricht er vom Geheimnis und in Christus kommt uns Gott ganz nahe. Er ist erfahrbar. Er kommt in unser Leben und er wohnt in uns. Christus in euch, das ist das Geheimnis der Nähe eines Gottes, der uns liebt. Gott ist da. Christus ist in uns und er ist gekommen, um zu bleiben. Da ist es auch kein Wunder, wenn er in diesem Zusammenhang mit diesem Geheimnis vom Reichtum der Erkenntnis spricht.
3.2. Das Geheimnis des Reichtums
Kolosser 1,27 “der Reichtum der Herrlichkeit dieses Geheimnisses” Ich finde es faszinierend, dass der heilige, allmächtige, ewigseiende und alles regierende Gott uns nicht im Dunklen lässt, sondern uns einweiht in seinen Plan und uns den ganzen Reichtum der Herrlichkeit erkennen lässt. Wir dürfen das dankbar aus seiner Hand annehmen und wollen mit aller Kraft danach streben, dieses Geheimnis immer tiefer und immer genauer zu verstehen. Diese Erkenntnis ist unendlich viel reicher als alle menschlichen Ideen, Ideologien, Theologien und Philosophien. Mit diesem Reichtum an Erkenntnis werden wir fest gegründet sein in Jesus Christus und können den Versuchungen und Verführungen durch menschliche Überlieferungen und durch Tradition widerstehen. Wenn wir in diesem Reichtum der Erkenntnis schwelgen und ihn auskosten, dann können uns minderwertige Menschenlehren nicht mehr beeindrucken. Da, genau da will der Apostel hin. Auch an anderer Stelle schreibt er davon, z.b. in Epheser 3,8 vom “unausforschlichen Reichtum des Christus”. Genau deshalb verkündet Paulus den Kolossern und auch uns nur Christus. Jesus Christus und sonst nichts. Diesen Christus, in dem alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen sind.
3.3. Die Suche nach verborgenen Schätzen
Stelle dir einen riesigen Wald mit Milliarden von großen Bäumen vor. Unter jedem Baum ist ein Schatz mit Gold, Diamanten und anderen Edelsteinen zu finden. Du musst nur den Baum fällen und das Wurzelwerk ausgraben. Das ist anstrengend und du weißt, dass Du niemals den ganzen Wald umgraben kannst. Aber sicherlich würdest Du anfangen und alle Kraft einsetzen, um möglichst viele Schätze zu heben. Du würdest schwitzen und müde werden, aber du würdest dich abrackern, weil Du weißt, dass reicher Lohn wartet.
Die Schätze der Weisheit und Erkenntnis sind verborgen, also müssen wir sie erforschen, entdecken und ausgraben. Niemand kann sagen: Ich habe das Geheimnis des Christus voll verstanden. Denn dann hätte Paulus nicht vom unausforschlichen Reichtum sprechen dürfen. Wir werden niemals fertig, aber das soll uns nicht hindern anzufangen. Denn wir wissen, dass in Christus alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen sind. Also fangen wir an.
Lasst uns nun noch anschauen, was der Schlüssel zur Erkenntnis des Christus ist.
3.4. Das Geheimnis und sein Schlüssel
Kolosser 2,2-3
2 damit ihre Herzen ermutigt werden, in Liebe zusammengeschlossen und mit völliger Gewissheit im Verständnis bereichert werden, zur Erkenntnis des Geheimnisses Gottes, des Vaters, und des Christus,
3 in welchem alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen sind.(Übersetzung: Schlachter 2000)
Der Schlüssel, um das Geheimnis zu entschlüsseln, steckt in dem Wort “Erkenntnis” verborgen. Im deutschen Text steht da nur ein einziges Wort, aber im griechischen Urtext nutzt Paulus hier ein Wortspiel, das den entscheidenden Unterschied ausmacht.
Die Irrlehrer in Kolossä prahlten ja mit der sogenannten Gnosis. Das bedeutet übersetzt erst einmal nur: Kenntnis oder Wissen. Gnosis ist ein reines Kopf-Wissen, das Anhäufen von Informationen, Regeln und Theorien. Paulus warnt seinen Mitarbeiter Timotheus vor dieser „fälschlich so genannten Erkenntnis“ (1. Timotheus 6,20) also vor der Gnosis. Denn reines Kopfwissen verändert kein Herz; es macht nur stolz. Reines Kopfwissen bringt uns nicht Gott näher. Paulus setzt dieser menschlichen Gnosis nun ein anderes Wort entgegen: Epignosis. Das ist eine vertiefte, eine lebendige, eine persönlich erlebte Erkenntnis.
Den Unterschied kennen wir aus unserem Alltag: Ich kann die chemischen Fakten über Wasser auswendig lernen. Ich kann wissen, aus welchen Molekülen es besteht. Ich kann die physikalischen Eigenschaften von Wasser klar beschreiben. Wann wird es fest, also zu Eis, wann wird es zu Dampf? Ich kann die biologischen Fakten erforschen und lernen, dass Wasser als eine der Grundlagen des biologischen Lebens dient. Das alles ist aber nur Gnosis – nacktes Faktenwissen.
Wenn ich aber tagelang durch die Wüste gewandert bin, kurz vor dem Verdursten stehe und dann eine Quelle finde und daraus trinke – dann erfahre ich am eigenen Leib, dann erlebe ich persönlich, was Wasser wirklich ist. Es verändert mein Leben, denn es rettet mein Leben. So ist Epignosis – eine Erkenntnis, die mich persönlich berührt und die mein Leben verändert. Die Epignosis, also das Entdecken aller Schätze der Weisheit und der Erkenntnis, die in Christus verborgen sind, führt uns heraus aus unserem begrenzten Denken hinein in ein göttliches Denken.
Die Irrlehrer und Verführer bieten der Gemeinde nur Gnosis an - billiges Kopfwissen und menschliche Philosophien. Paulus aber will, dass die Gläubigen die rettende Kraft von Jesus Christus ganz persönlich erfahren und in seiner Erkenntnis wachsen - Epignosis. Nur diese echte Herzenserkenntnis schenkt uns göttliche Gewissheit und schützt uns vor dem Betrug, der Verführung. Wenn wir Erkenntnis gewinnen über den Reichtum der Herrlichkeit des Geheimnisses Gottes, wenn wir im Verständnis bereichert werden, dann fallen wir nicht mehr auf billigen Betrug herein. Wir müssen im Verständnis bereichert werden. Bereicherung, das ist etwas, was größer wird, was mehr wird, was wächst. Wachstum. Wir alle brauchen eine wachsende Erkenntnis von Christus, eine tiefere Erkenntnis von Christus, wenn wir in der Heiligung wachsen wollen. Willst du das? Willst Du in der Erkenntnis des Christus und in der Heiligung wachsen? Was aber ist denn wachsen? Was bedeutet Wachstum? Eines ist sicher: Wachstum kennt keinen Stillstand. Wachstum ohne Veränderung gibt es nicht. Ohne Veränderung keine Heiligung. Es geht um dich und um dein Innerstes: Du musst dich verändern. Du musst dich vom Heiligen Geist verändern lassen! Deine Bitterkeit und deine Wut müssen verschwinden. Du glaubst, dann wirst Du dich verändern. Dein Glaube muss leben, er muss atmen, er muss sich bewegen, er muss sich verändern! Nur wenn dieser Prozess, dieses Wachstum, diese Veränderung in deinem Leben sichtbar wird, hat die wahre Erkenntnis von Christus in dir Wurzeln geschlagen. Wenn bei dir heute alles noch genauso aussieht wie vor zehn, zwanzig oder dreißig Jahren, dann ist das brandgefährlich. Dann bist du vielleicht nur menschlicher Überlieferung und christlicher Tradition begegnet, menschlicher Moral oder theoretischem Wissen. Aber nicht dem lebendigen Christus. Denn wer Christus wirklich immer mehr erkennt, der bleibt nicht, wie er ist! Der kann nicht bleiben, wie er ist, weil unser Glaube lebendig ist und weil der, an den wir glauben - Christus - das Leben ist.