Warum sollen wir überhaupt Fürbitte tun?
Thomas Roser
5. Januar 2022
Warum sollen wir überhaupt Fürbitte tun?
Viele stellen sich die Frage: Warum überhaupt beten? Ist Fürbitte nicht eigentlich sinnlos? Aus zwei theologisch korrekten Grundannahmen lässt nämlich sich eine Schlussfolgerung ableiten, die auf den ersten Blick einleuchtend erscheint - und doch grundfalsch ist:
- Grundannahme 1: Gott weiß alles und kennt alle Bedürfnisse
- Grundannahme 2: Gott meint es nur gut mit allen Gläubigen
- Schlussfolgerung: Fürbitte ist sinnlos
Wir schauen uns nun an, warum Gebet wirklich Sinn macht und warum wir für andere bitten sollten.
Göttliches Gebot: Fürbitte für alle
[1. Timotheus 2,1-8 - Übersetzung: Schlachter 2000]
1 So ermahne ich nun, dass man vor allen Dingen Bitten, Gebete, Fürbitten und Danksagungen darbringe für alle Menschen, 2 für Könige und alle, die in hoher Stellung sind, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen können in aller Gottesfurcht und Ehrbarkeit; 3 denn dies ist gut und angenehm vor Gott, unserem Retter, 4 welcher will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. 5 Denn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, der Mensch Christus Jesus, 6 der sich selbst als Lösegeld für alle gegeben hat. [Das ist] das Zeugnis zur rechten Zeit, 7 für das ich eingesetzt wurde als Verkündiger und Apostel — ich sage die Wahrheit in Christus und lüge nicht —, als Lehrer der Heiden im Glauben und in der Wahrheit. 8 So will ich nun, dass die Männer an jedem Ort beten, indem sie heilige Hände aufheben ohne Zorn und Zweifel.
Paulus ermahnt hier zur aktiven Fürbitte und weist der Aufgabe „Fürbitte” hier eine hohe Priorität zu. „Vor allen Dingen” sagt er und meint damit, dass diese Tätigkeit so wichtig ist, dass sie zum christlichen Leben dazugehört. Doch dieser Text stellt nicht die Fürbitte für alle Menschen oder Könige in den Mittelpunkt. Das ist nicht der zentrale Punkt dieses wunderbaren Abschnitts. Dieser Text ist deshalb wunderbar, weil uns das liebevolle und barmherzige Herz unseres Erlösers gezeigt wird. Denn laut Vers 6 hat er sich selbst als Lösegeld gegeben und das ist das Zentrum dieses Abschnittes. Er hat sich als Lösegeld gegeben, weil er etwas Bestimmtes erreichen will und das steht in Vers 4: Alle Menschen sollen gerettet werden. Wie groß muss Gottes Liebe sein, dass überhaupt ein Mensch gerettet werden kann! Wie viel größer noch, dass er alle Menschen retten will! Wir sehen hier das liebende und barmherzige Wesen unseres Heiland-Gottes und das sollte uns auch in unserem Gebet antreiben und leiten.
„ohne Zorn und zweifelnde Überlegung” - ohne Zorn, also kein Richterspruch in Gebetsform, keine Urteilsverkündung in Form eines Gebets, sondern FÜR die Menschen bitten -> „Flehen, Gebete, Fürbitten, Danksagungen für alle Menschen”
Wenn wir ohne Zorn und Zweifel für alle Menschen beten, werden wir Christus ähnlicher, denn das ist es auch, was Christus tut. Als er am Kreuz hing, betete er „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.” Er betete nicht nur für Ungläubige, sondern gerade für jene, die sich zu seinen Feinden erklärt hatten und ihn ans Kreuz geschlagen haben. Aber das ist nicht die einzige Fürbitte, die Jesus tut. Für Gläubige tut er das ständig:
Christus tritt für uns ein
[Hebräer 7,25 - Übersetzung: Jantzen 2022]
Deshalb vermag er auch bis aufs Völligste zu retten die, die durch ihn zu Gott hinzutreten: Er lebt die ganze Zeit, um sich für sie zu verwenden;
[Römer 8,34 - Übersetzung: Schlachter 2000]
Wer will verurteilen? Christus [ist es doch], der gestorben ist, ja mehr noch, der auch auferweckt ist, der auch zur Rechten Gottes ist, der auch für uns eintritt!
Christus ist also beständig vor dem Thron Gottes und tritt dort für uns ein. Im griechischen Urtext: Er verwendet sich selbst für uns! Mit seinem ganzen Sein und Wesen tritt er für uns ein. Er bittet für uns. Wenn du gerade eine schwierige Zeit durchlebst, dann darf ich dir zusprechen: Jesus Christus tut für dich vor dem himmlischen Gnadenthron Fürbitte. Wenn du von Anfechtung geplagt bist oder in Sünde gefallen bist, dann darf ich dir zusprechen: Christus steht vor dem Thron der Gnade und er verwendet sich für dich! Ich weiß, dass manche selbstgerecht denken könnten: Wie kann er so etwas sagen? Wer in Sünde lebt, muss er zuerst Buße tun. Und möglicherweise kann er dann wieder mit Gott Frieden haben. Er muss zuerst beweisen, dass er auf dem richtigen Weg ist.
Wenn du so denkst, dann denkst du nicht Christus gemäß. Dann hast du auch etwas Grundsätzliches am Evangelium nicht verstanden. Du hast Gottes Wesen nicht verstanden, denn er ist voller Barmherzigkeit und liebt den Sünder!
[1. Johannes 2,1-2 - Übersetzung: Schlachter 2000]
1 Meine Kinder, dies schreibe ich euch, damit ihr nicht sündigt! Und wenn jemand sündigt, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesus Christus, den Gerechten; 2 und er ist das Sühnopfer für unsere Sünden, aber nicht nur für die unseren, sondern auch für die der ganzen Welt.
Je nach Übersetzung wird er hier als Sachwalter, Anwalt oder Fürsprecher bezeichnet, der beim Vater für uns eintritt, wenn wir gesündigt haben. JA! Sogar bei Sünde, ja gerade dann ist doch der Fürsprecher nötig. Wer erkennt, wie Christus ist, und weiß, dass wir seinem Vorbild folgen sollen, der versteht vielleicht besser, warum wir Fürbitte tun sollen.
- Es entspricht dem Charakter unseres Heiland-Gottes, Fürbitte zu tun.
- Wir handeln genau nach dem Vorbild des Christus, wenn wir Fürbitte tun.
- Die Anweisung des Paulus in 1.Timotheus 2,1-4 ist ein göttliches Gebot.
Paulus ermahnt uns VOR ALLEN DINGEN das zu tun: Flehen, Gebete, Fürbitten, Danksagungen für alle Menschen und insbesondere auch für die Regierung und die Behörden. Wir sollen ihre Fürsprecher beim Vater sein. Jesus Christus ist unser Fürsprecher beim Vater und tritt allezeit für die Gläubigen ein. Ob sie nun gerade gerecht leben oder in Sünde gefallen sind. Aber obwohl das so ist, will er von uns das Gleiche. Wir sollen seinem Beispiel folgen. Denn Jesus Christus hat uns bis zu seinem Tod am Kreuz und darüber hinaus genau das vorgelebt, was er in Lukas 6 gefordert hat:
[Lukas 6,27-28 - Übersetzung: Jantzen 2022]
27 Euch jedoch, die ihr hört, sage ich: Liebt eure Feinde. Tut wohl denen, die euch hassen. 28 Segnet, die euch fluchen. Betet für die, die euch beleidigend behandeln.
Es kann also sein, dass du beleidigt worden bist ODER dass du dich beleidigt fühlst. Das sind ja zwei verschiedene Paar Stiefel. In den meisten Fällen handelt es sich um eine gefühlte, nicht um eine tatsächliche Beleidigung. In beiden Fällen gilt: bete für denjenigen oder diejenige, der oder die das getan hat.
Dies ist ein Wort des Herrn und damit verbindlich. Das klingt zunächst sehr streng und ich betrachte es nun noch aus einer anderen Perspektive:
„betet für die, die euch beleidigen.” - damit wirst du frei. Beleidigung erzeugt Hass und Verachtung. Wenn wir uns davon gefangen nehmen lassen, dann ist nicht der Beleidiger gefangen, sondern wir selbst.
Jesus will dich frei machen von Zorn, Wut, Hass und Verachtung. Er will, dass du frei bist, ihn anzubeten und ihm zu dienen. So wirst du froh und kannst wahre Freude erleben.
Durch das Gebet für deine Beleidiger wirst du frei und froh.
Gleichzeitig tust du einen wertvollen Dienst an ihnen, denn so ein Gebet des Glaubens wird Gott sicherlich erhören.
Wenn du für die betest, die dir Böses tun, dann handelst du genau so wie der Herr Jesus Christus, der am Thron des Vaters für dich eintritt und das auch dann, wenn du gesündigt hast. Du erweist dich als ein Nachfolger Jesu, wenn du das genau so machst wie er, der am Kreuz unter größten Schmerzen noch betete „Herr vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.”
[Lukas 6,27-28 - Übersetzung: Jantzen 2022]
27 Euch jedoch, die ihr hört, sage ich: Liebt eure Feinde. Tut wohl denen, die euch hassen. 28 Segnet, die euch fluchen. Betet für die, die euch beleidigend behandeln.
Wenn da also jemand ist, den du absolut nicht ausstehen kannst, dann bete für ihn. Damit tust du dir selbst etwas Gutes, deinem Feind - ob echt oder vermeintlich - ebenso, und unser Herr Jesus Christus freut sich darüber. Denn er handelt genau so.