Zum Hauptinhalt springen

Biblisch denken Teil 3 von 3

Metamorphose des Geistes – Denken im Prozess

Thomas Roser

Thomas Roser

4. April 2026

Kolosser 1,21–22

Und euch, die ihr einst entfremdet wart und Feinde in der Grundeinstellung eures Denkens, in den bösen Werken, versöhnte er nun aber ganz in dem Leibe seines Fleisches durch den Tod, um euch darzustellen als Heilige und Tadellose und Nichtanzuklagende vor seinem Angesicht,

(Übersetzung: BidF)

Was können wir aus den beiden Versen für unser praktisches Leben als Gläubige in dieser sündigen Welt lernen? Das Wort Gottes ist mehr als Theorie; es ist die Kraft zur Transformation. Gottes Wort will uns nicht nur informieren – es will uns transformieren. Es fordert uns heraus, unser Denken und Handeln radikal zu ändern. Zuerst ist da die Grundeinstellung unseres Denken, an der wir arbeiten müssen.

1 Buße (Sinnesänderung)

Dort, wo im Neuen Testament das deutsche Wort “Buße” steht, da steht im griechischen Grundtext des Neuen Testamentes μετάνοια (meta-noia). Wörtlich übersetzt bedeutet das „Sinnesänderung”. Wenn das Wort als Verb eingesetzt wird, dann könnte man es mit „um-sinnen” übersetzen, also um-denken. Buße ist weit mehr als ein einmaliges Sündenbekenntnis. Wer Buße tut, der vollzieht einen radikalen Wechsel der Perspektive. Das ganze Denken wird grundlegend erneuert. Dabei hat dieses Umdenken zwei Dimensionen, die wir niemals gegeneinander ausspielen dürfen. Beide gehören untrennbar zusammen:

  1. Die Wende: die Sinnesänderung als einmaliger Akt der Umkehr: Wer Buße tut, der kehrt von seinem bisherigen Lebensweg um. Er vollzieht eine 180-Grad-Wende und läuft (und vor allem denkt!) von diesem Moment an in eine andere Richtung.
  2. Der Weg: die Sinneserneuerung als Prozess: Mit dem einmaligen Akt der Umkehr beginnt ein lebenslanger Erneuerungsprozess, den man auf ganz verschiedene Arten beschreiben kann. Man kann es tägliche Buße nennen. Man kann es Transformation nennen oder - um einen biblischen Begriff zu verwenden - Metamorphose, Verwandlung.

Unterscheiden wir klar: Während Heiligung das Wirken Gottes in uns ist, ist die tägliche Buße unser aktives Werkzeug. Diese tägliche Buße ist nicht dasselbe wie Heiligung, aber sie ist untrennbar mit ihr verbunden. Die Heiligung ist das gnädige Wirken des Heiligen Geistes in uns, der uns dem Bild des Sohnes Gottes immer ähnlicher macht, der uns verwandelt, wie es in 2.Korinther 3 heißt. Die Buße ist das Werkzeug dazu: Buße als Prozess, das ist die beständige, tägliche Absage an die Sünde. Heiligung ist das geistgewirkte Wachstum zum Licht hin; tägliche Buße ist das konsequente Jäten des Unkrauts, das dieses geistliche Wachstum behindern will.

Es geht darum, das alte, fleischliche, sündhafte Denken loszuwerden. Wir sollen unser Denken beständig und vollständig neu auf Christus hin ausrichten. Sündhafte und fleischliche Gedanken müssen gefangengenommen werden unter den Gehorsam Christi. Der Heilige Geist vollzieht dabei den ‘Metamorphose-Prozess’ – eine Verwandlung zu Christus hin, die in unserem Denken beginnt. Da unser Handeln immer von unserem Denken geprägt wird, wird dann auch sichtbare Frucht wachsen. Dieser Prozess beginnt mit dem Umdenken, dem Umsinnen, der Neueinstellung der Grundeinstellung unseres Denkens.

Wie können wir das aber nun ganz praktisch machen? Was können wir dazu beitragen, dass der Heilige Geist unser Denken verändern kann?

2 Das Wort Gottes in unseren Gedanken

Josua 1,8

Lass dieses Buch des Gesetzes nicht von deinem Mund weichen, sondern forsche darin Tag und Nacht, damit du darauf achtest, alles zu befolgen, was darin geschrieben steht; denn dann wirst du Gelingen haben auf deinen Wegen, und dann wirst du weise handeln!

(Übersetzung: Schlachter 2000)

Gelingen auf all unseren Wegen und weise handeln? Ja, das ist genau das, was wir erreichen wollen. In diesem Vers werden uns drei Dinge beschrieben, die wir tun sollen, um das zu erreichen:

  1. „nicht von unserem Mund weichen” lassen
  2. „Tag und Nacht” darin forschen
  3. „darauf achten”, alles zu befolgen

Schon der erste Punkt ist uns vielleicht ein Rätsel. Jahwe sagt zu Josua, er soll das Buch des Gesetzes nicht von seinem Mund weichen lassen. Was meint er damit?

Römer 10,17

Demnach kommt der Glaube aus der Verkündigung,
die Verkündigung aber durch Gottes Wort.

(Übersetzung: Schlachter 2000)

In der Fußnote der Schlachter-Übersetzung steht da bei Verkündigung “wörtlich: aus dem Gehörten”. Und da steht tatsächlich auch im griechischen Grundtext das Wort: Gehörtes. Also kommt der Glaube aus dem Gehörten. Aus dem, was man mit den Ohren hört. Damit ich etwas hören kann, muss es jemand aussprechen. Mir fallen da spontan drei Gelegenheiten ein, wo jemand das Wort Gottes ausspricht und wir hören es.

  1. Die Gemeinde – in der Gemeinde hörst du Gottes Wort durch die Predigt.
  2. Medien wie YouTube – kann nützlich sein, ist aber oft nur geistliches Fastfood, weil wir viel zu leicht der Versuchung verfallen, uns solche Prediger zu suchen, die uns gefallen. Und der Algorithmus ist da auch keine Hilfe, weil er uns nicht die Dinge anzeigt, die gut für uns sind.
  3. Die dritte Möglichkeit, wo ich jemand zuhören kann, der das Wort Gottes ausspricht ist der eigene Mund. Wenn ich mit meinem Mund, mit meinen Lippen und meiner Zunge das Wort Gottes ausspreche, wenn ich also beim Lesen der Bibel diese Worte Gottes laut lese, dann tue ich genau das, was Jahwe dem Josua gesagt hat: “Lass dieses Buch des Gesetzes nicht von deinem Mund weichen”. Wenn du also die Bibel liest, dann tu es auch mal laut. Lass die Verheißungen Gottes über deine Lippen kommen. So wirst du selbst zum ersten Hörer der göttlichen Weisheit, die dann dein Denken erneuert.

3 Das Gute denken

Eine weitere Sache möchte ich kurz mit euch bedenken und sie kommt auch direkt aus unserem Text.

Kolosser 1,22

…um euch heilig und tadellos und unverklagbar vor sich hinzustellen,

(Übersetzung: Schlachter 2000)

Gottes Plan ist es, uns heilig und tadellos und unverklagbar vor sich hinzustellen. Macht es nicht absolut Sinn, unsere Gedanken genau darauf zu programmieren, was Gott über uns sagt: heilig, tadellos, unverklagbar? Wenn unser Ziel ein heiliges Leben ist, braucht es zuerst ein geheiligtes Denken. Denn wenn die Taten den Gedanken folgen und ich möchte heilig und tadellos und unverklagbar leben, dann muss ich ja zuerst in meinen Gedanken heilig und tadellos und unverklagbar werden. Ich muss also genau so denken. Tatsächlich gibt es eine Bibelstelle, die exakt genau das aussagt. In einem anderen Brief, und zwar in Philipper 4 sagt Paulus uns das:

Philipper 4,8

Im Übrigen, ihr Brüder, alles, was wahrhaftig, was ehrbar, was gerecht, was rein, was liebenswert, was wohllautend, was irgendeine Tugend oder etwas Lobenswertes ist, darauf seid bedacht!

(Übersetzung: Schlachter 2000)

Das, liebe Geschwister, ist Gottes Handlungsanweisung für uns. Das ist etwas, was jeder von uns umsetzen kann. Wenn wir unsere Gedanken ausrichten auf das, was wahrhaftig, was ehrbar, was gerecht, was rein, was liebenswert, was wohllautend, was irgendeine Tugend oder etwas Lobenswertes ist, dann verändert sich dadurch die Grundeinstellung unseres Denkens. Der Heilige Geist kann dadurch sehr gut an unserem Innersten, unserem Herzen arbeiten. So wird unser Denken Schritt für Schritt heil – und heilig. Du wirst vom Heiligen Geist verwandelt in das Bild dessen, der dich zuerst geliebt hat. Das ist Gottes Plan für dein Leben. Er ist der König und für diesen König wollen wir alles tun und alles hingeben - auch unser Denken wollen wir ändern lassen, so dass es unserem König gefällt. Dieser König will dich heilig und tadellos und unverklagbar vor sein Angesicht stellen. Also fange jetzt an, umzudenken und deine Gedankenwelt von den königlichen Gedanken prägen zu lassen. Er hat diesen Plan in dir und für dich begonnen, und er wird ihn vollenden.