Edom/Esau - Hintergründe PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: tr   

Edom / Esau (Begriffserklärung)

Da im Alten Testament an vielen Stellen der Begriff "Edom" auftaucht und auch der Name "Esau" sowohl im Alten wie auch im Neuen Testament immer wieder erwähnt wird, ist es wichtig, den Hintergrund zu kennen, um die jeweiligen Aussagen über Edom bzw. Esau richtig einzuordnen :

 

Der Name Edom

Der Name Edom taucht zum ersten Mal in 1.Mose 25 auf : "Und Esau sprach zu Jakob: Laß mich von dem roten Gericht da hinunterschlingen, denn ich bin erschöpft! Daher gab man ihm den Namen Edom."

Edom ist ein hebräisches Wort für "rot". Esau, der Bruder Jakobs wurde also Edom genannt. Dieser Verkauf des Erstgeburtsrechtes in 1.Mose 25 und das Gefühl Esaus, es wäre bei um den Segen der Erstgeburt betrogen worden (1.Mose 27) führt zu einer tiefen Feindschaft. Jakob muß fliehen, um der Rache seines Bruders zu entgehen (1.Mose 27,41ff). Zwar kommt es zu einer Versöhnung zwischen den Brüdern (1.Mose 33), doch scheint die Situation nicht wirklich bereinigt zu sein, wie man später sieht...

 

Grundzüge der Geschichte Edoms

In 1.Mose 36 wird dann die Geschichte des Esau/Edom näher beschrieben : Da das Weideland in Kanaan nicht groß genug ist für die Herden beider Brüder, geht Esau ins Bergland Seir und lässt sich dort nieder (siehe Karte). Er wird zum Stammvater der Edomiter. Die Edomiter erweisen sich im Laufe der Geschichte als erbitterte Feinde von Israel (=Jakob). Immer wieder kommt es zu Auseinandersetzungen und immer wieder verhält sich Edom äußerst feindselig gegenüber Israel bzw dem Königreich Juda. Zum ersten Mal zeigt sich dieser Haß, als das Volk Israel aus über 400jähriger Sklaverei in Ägypten fliehen kann und sein Brudervolk Edom, das Volk Israel nicht durch das Land Edom ziehen lassen will (4.Mose 20 ab Vers 14). Israel muß einen Umweg nehmen. Wenig später wird durch Bileam prophezeit, daß das Land Edom von Israel besiegt und beherrscht werden wird (4.Mose 24,18).

Saul, der 1.König von Israel kämpft dann (wieder ca.400 Jahre später) gegen Edom, wobei die Edomiter hier (in 1.Sam.14,47) eindeutig als Feinde bezeichnet werden. Sein Nachfolger David besetzt dann das Land (2.Sam.8,13-14 und 1.Chronik 18,12-13). Bei dieser Besetzung des Landes versucht der Heerführer Joab mit seinem Heer 6 Monate lang alle männlichen Edomiter zu töten, was ihm aber mißlingt. Als Davids Sohn Salomo später in Sünde fällt, wird genau das von Gott gebraucht, um Salomo zu bestrafen (1.Könige 11,14-25).

Als das Reich Israel in Juda und Israel geteilt ist, beteiligen sich dann Edomiter an einem Feldzug von Juda und Israel gegen die Moabiter (2.Könige 3,4-27) doch beim Vergeltungsangriff der Moabiter und Ammoniter sind auch wieder Edomiter unter den Feinden Israels (2.Chronik 20; insbesondere Vers 10 und 22 "die vom Bergland Seir" = Edomiter). Wenige Jahre danach folgt dann die Unabhängigkeit der Edomiter (2.Chr.21,8-10). Eine weitere Begegung der beiden Völker fand dann unter König Amazja von Juda statt. Mit 300000 Mann zog er nach Edom und mehrere 10000 Edomiter kamen um (2.Chronik 25,11-12). König Amazja plünderte in Edom und nahm unter anderem auch die edomitischen Götter mit und betete sie an, was ihm dann zum Verhängnis wurde (2.Chronik 25,14-15).
In Psalm 137,7 wird berichtet, wie die Edomiter ein weiteres Mal Juda angriffen und schlimm wüten.

Im Laufe der Zeit wandern die Edomiter weiter nördlich. Die Nabatäer, ein arabischer Stamm, übernehmen das Bergland Seir (ihre Hauptstadt ist die bekannte Felsenstadt Petra) und die Makkabäer zwingen die Edomiter schließlich ca.200 vor Christus dazu, die Beschneidung anzunehmen und vereinigen sie mit dem jüdischen Volk. Die Region im Süden von Juda wurde dann als "Idumäa" bezeichnet (Mk.3,8).

 

 

Das Gericht über Edom

Maleachi 1,4 :
"Wenn aber Edom sagt: »Wir sind zwar zerstört, wir wollen aber die Trümmer wieder aufbauen!«, so spricht der Herr der Heerscharen: Sie mögen bauen, ich aber werde niederreißen; und man wird sie nennen: »Land der Gesetzlosigkeit« und »das Volk, über das der Herr ewiglich zürnt«."

Dieses Volk (über das der Herr laut Mal.1,4 ewiglich zürnt), hatte einen denkbar schlechten Start. Esau, der Stammvater der Edomiter verkaufte sein Erstgeburtsrecht - eigentlich eine unmögliche Sache, aber er verachtete es (Siehe auch der nächste Abschnitt "Die Hintergründe"). Doch daß das Volk Edom Israel, das von Gott auserwählte Volk, nur mit Feindschaft überzog, machte die Sache auch nicht besser :

Amos 1,11 :
"So spricht der Herr: Wegen drei und wegen vier Übertretungen Edoms werde ich es nicht abwenden: Weil er seinen Bruder mit dem Schwert verfolgt und sein Erbarmen abgetötet hat, und weil sein Zorn stets zerfleischt und er seinen Grimm allezeit behalten hat;"

Weitere Gerichtsworte über Edom :
Obadja 1,21;Jeremia 49,7-22; Hesekiel 25,12-14; Hesekiel 35; Jesaja 34; Klagelieder 4,21-22

Die Hintergründe

Hebräer 12,16 :
"daß nicht jemand ein Unzüchtiger oder ein gottloser Mensch sei wie Esau, der um einer Speise willen sein Erstgeburtsrecht verkaufte."

Was ist das Erstgeburtsrecht : Nun, rein menschlich, weltlich betrachtet ist das Erstgeburtsrecht schon etwas sehr Wertvolles und es für ein Mittagessen dahinzugeben ist reiner Wahnsinn. Aber aus geistlicher Sicht ist es noch etwas viel Schlimmeres. Immer wieder wird im AT davon berichtet, daß der Erstgeborene eine besondere Stellung hat - nicht nur vor den Menschen. In 2.Mose 13,2 steht, daß der Erstgeborene Gott gehört. Alle Erstgeburt gehört Gott, weil er in der Passah-Nacht in Ägypten die Erstgeburt der Israeliten verschont hatte. 4.Mose 3 wird ab Vers 40 erklärt, wie die Leviten statt der Erstgeborenen zu Dienern Gottes werden. Wichtig ist an dieser Stelle, daß die Erstgeborenen eine besondere Funktion haben - als Diener Gottes, als sein Eigentum, über das er so frei verfügen kann, daß er auch einen Austausch anordnen kann.

Nun hatte Esau dieses Erstgeburtsrecht verkauft und damit nur gezeigt, daß ihm die kurzfristige Bedürfnisbefriedigung wichtiger war als Gottes Ordnung für sein Leben. Und das hatte weitreichende Konsequenzen. Während Jakob wirklich reich gesegnet wurde (1.Mose 27,27-29), bekam Esau nur das, was übrig blieb.

1.Mose 27.38-40 :
"38 Esau sprach zu seinem Vater: Hast du denn nur einen Segen, mein Vater? Segne doch auch mich, mein Vater! Und Esau erhob seine Stimme und weinte. 39 Da antwortete Isaak, sein Vater, und sprach zu ihm: Siehe, fern vom Fett der Erde wird dein Wohnsitz sein, und fern vom Tau des Himmels von oben. 40 Von deinem Schwert wirst du leben und deinem Bruder dienen. Es wird aber geschehen, wenn du dich befreien kannst, wirst du sein Joch von deinem Hals reißen."

Aber schon vorher geschah noch etwas anderes, das die Herzenshaltung von Esau deutlich zeigte :

1.Mose 26, 34-35:
"34 Als aber Esau 40 Jahre alt war, nahm er Judith zur Frau, die Tochter Beris, des Hetiters, und Basmath, die Tochter Elons, des Hetiters; 35 die bereiteten Isaak und Rebekka viel Herzenskummer. "

Die Hetiter waren nicht nur keine Semiten, gehörten also zu einem völlig anderen Volksstamm. Schlimmer war wohl, daß sie zu den Kanaanitern zu rechnen waren. Und diese Kanaaniter waren berühmt-berüchtigt für Sünde und Götzendienst. Der Großvater Esaus, Abraham hatte ja noch mitbekommen, wie Gott ganze Städte vernichtet hatte, weil die Sünde so groß und übermächtig geworden war - Sodom und Gomorra (1.Mose 18-19 siehe auch Sodom und Gomorra).

Ein wenig später zeigte Esau dann nochmal sehr deutlich, daß er nichts verstanden hatte. Sein Vater war Träger der Verheißung, die Gott dem Abraham gegeben hatte (1.Mose 17). Sein Onkel Ismael dagegen war ein Kind, das nicht durch die Verheißung Gottes geboren wurde, sondern weil Abraham und Rebekka auf eigene Faust die Verheißung Gottes erfüllen wollten (1.Mose 16). Auf ihm lag keine Verheißung Gottes, er stand nicht in der Segenslinie Gottes. Im Gegenteil, er war dem rechtmäßigen, von Gott geschenkten Erben der Verheißung ein Hindernis : Deswegen mußte Ismael auch vertrieben werden (1.Mose 21,10-21).

Zu diesem Ismael ging nun Esau (1.Mose 28,9) und nahm dessen Tochter zu seiner Frau. Er ließ sich also mit den Kanaanitern ein und verband sich dann auch noch mit Ismael.

Hartnäckig tat er genau das, was nicht richtig, gut und gottgewollt war. Er führte ein verkorkstes Leben und das übertrug sich auf seine Kinder und Kindeskinder. Deswegen wird er auch in Hebräer 12 als Beispiel angeführt, dem man nicht nachfolgen sollte.