1.Johannes 1 PDF Drucken E-Mail
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Predigt 1.Johannes 1

1.Joh.1,1-4 :
"1 Was von Anfang war, was wir gehört haben, was wir mit unseren Augen gesehen haben, was wir angeschaut und was unsere Hände betastet haben vom Wort des Lebens 2 — und das Leben ist erschienen, und wir haben gesehen und bezeugen und verkündigen euch das ewige Leben, das bei dem Vater war und uns erschienen ist —, 3 was wir gesehen und gehört haben, das verkündigen wir euch, damit auch ihr Gemeinschaft mit uns habt; und unsere Gemeinschaft ist mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus. 4 Und dies schreiben wir euch, damit eure Freude vollkommen sei. "

V1 "was von Anfang war"
Normalerweise steht am Anfang der Anfang. Also der Briefanfang, der Briefkopf. Normalerweise stellt man sich vor mit Namen, Titel und Adressat. Paulus macht das (fast) immer sehr schön : "Paulus, Apostel Jesu Christi an die Heiligen in .....". Petrus und Jakobus machen das auch. Doch Johannes macht das hier nicht. Er hält sich nicht mit Formen auf. Wenn er schon was schreibt, dann brennt ihm das so auf der Seele, das es raus muß. Das ist so beim Johannes-Evangelium und auch bei der Offenbarung hält er sich nur ansatzweise an die Schreibregeln seiner Zeit. Auch von Einleitung, Hauptteil und Schluß, wie man das heute so macht, hält er anscheinend nicht viel. Er geht gleich mit Vollgas in sein Thema rein.
Und es brennt ihm hier gewaltig auf der Seele, denn in den Gemeinden waren Leute am Werk, die andere Lehren eingeführt hatten. Neue, von Menschen erdachte Lehren. Und diese Lehren zerstörten die Gemeinden von innen heraus. Wegen dieser neuen Lehren lautet auch der erste Satz :
"Was von Anfang war, was wir gehört haben, was wir mit unseren Augen gesehen haben, was wir angeschaut und was unsere Hände betastet haben vom Wort des Lebens"
Ich stelle den Satz mal um, damit man ihn besser verstehen kann : "Was von Anfang war vom Wort des Lebens - und was wir gehört, gesehen, angeschaut und betastet haben"
Es geht um den Anfang vom Wort des Lebens, den Anfang des Evangeliums. Es geht um Jesus Christus und sein Werk und um seine Botschaft. Die Leute, die fremde Lehren in die Gemeinden brachten, brachten ja neue Lehren, die nicht von Anfang da waren. Er stellt hier klar, daß er Dinge verkündigt, die von Anfang an so waren. Er, Johannes bringt nichts Neues, er hält sich genau an das, was er gehört und gesehen hat, was er angeschaut und betastet hat.
Und alleine das ist ja schon eine interessante Formulierung :"gehört und gesehen, angeschaut und betastet" - und ich habe mir Gedanken gemacht, warum er das ausgerechnet so schreibt. Denn mir ist aufgefallen, daß da das Sehen zweimal vorkommt, einmal steht da "was wir mit unseren Augen gesehen haben" und dann steht direkt danach "was wir angeschaut haben". Das muß einen Sinn haben.

Ich denke, der Sinn liegt darin, daß er zwei verschiedene Arten der Wahrnehmung beschreibt. Nehmen wir zum Beispiel eine Baustelle : Wir laufen durch den Ort und da sehen wir eine Baugrube, wir sehen mit unseren Augen, wie der Kran sich bewegt, wie der Maurer die Kelle schwingt und wie der Lehrling das Bier holt. Und wir hören, wie der Bagger dröhnt und der Kran klack,klack macht, wenn er den Elektromotor einschaltet und wir hören, wie der Lehrling schreit, wenn ihm ein Stein auf den Fuß fällt. Das alles so im Vorbeigehen, ohne das wir innerlich bei der Sache sind. Der Hausbau ist ganz sachlich und nüchtern betrachtet in vollem Gange, aber es berührt uns nicht - im wahrsten Sinne des Wortes berührt es uns nicht.
Aber dann bleiben wir stehen, wir gehen hin, wir schauen uns das genau an. Wie macht der Maurer die Fugen, wie sieht der Mörtel aus, und setzt er die Steine auch gerade aufeinander ? Wir sehen uns genau an, was der Kran da hochhebt und schauen uns alles andere auch genau an. Und wir klettern auf das Gerüst hoch, nehmen einen Stein in die Hand und geben ihn dem Maurer, dann nehmen wir den Finger, stecken ihn in den Mörtel und prüfen die Zusammensetzung.
"Was wir gehört haben, was wir mit unseren Augen gesehen haben, was wir angeschaut und was unsere Hände betastet haben"
Zuerst beschreibt Johannes einfach das, was alle Menschen der damaligen Zeit gemacht haben : Auch andere in Jerusalem haben von Jesus gehört und haben ihn im Tempel und am Kreuz gesehen. Aber er, Johannes, und auch die anderen Apostel, sie haben sich das genau angeschaut. Sie haben sich das ganz genau angeschaut, wie Jesus gelebt hat und was er gelehrt hat und was er getan hat. Sie haben das alles "mit-erlebt" - und sie waren nicht nur mit den Augen dabei, sondern haben mit ihm gelebt, sie haben ihn sogar angefasst, betastet. Sie waren also persönlich betroffen, sie haben das nicht nur wahrgenommen wie andere, sondern sie haben ihn erlebt. Und das will Johannes hier deutlich machen. Er ist einer von denen, die sehr genau wissen, was wirklich war mit Jesus und das war so real und hatte so stark mit seinem eigenen Leben zu tun, daß er auch jetzt, als er diesen Brief schrieb, noch genau wusste, was am Anfang war. Und keiner dieser falschen Propheten und falschen Lehrer konnte da mithalten. Er selbst war dabei.
Er hat es sich genau angeschaut und es auch betastet - das Wort des Lebens. Und eigentlich würde es jetzt in Vers 3 weitergehen, doch nun hat er es hingeschrieben, dieses "Wort des Lebens" und jetzt kann er nicht mehr anders, jetzt muß das raus "das Leben ist erschienen, und wir haben gesehen und bezeugen und verkündigen euch das ewige Leben, das bei dem Vater war und uns erschienen ist".
Das Wort des Lebens, das Leben, das ewige Leben ist erschienen, es ist geoffenbart worden, das ist so wunderbar und so großartig, daß er es in diesem Vers 2 einfach nochmal beschreiben muß.
Das ewige Leben war bei dem Vater und es ist erschienen. Das heißt, es war schon immer da, nur war es nicht erschienen. Und jetzt ist es erschienen, es ist jetzt gezeigt worden, es ist jetzt geoffenbart worden - und er selbst, Johannes, hat das erlebt, hat das in seinem Leben erfahren. Und auch noch andere mit ihm, deswegen schreibt er auch immer "wir" und "uns", weil er sich selbst nicht in den Mittelpunkt stellt. Es geht auch nicht um das "wir", sondern es dreht sich bei ihm alles um dieses ewige Leben, daß beim Vater war und erschienen ist. Und dieses Leben ist Jesus Christus. Er selbst hat es ja von sich gesagt und es war auch Johannes, der uns das überliefert hat :
Johannes 14,6 :
"Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater denn durch mich"
und schon vorher in Joh.11,25 :
" Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt".
Jesus sagt ja diesen Satz zu Martha als Reaktion auf ihre Aussage "Martha spricht zu ihm: Ich weiß, daß er auferstehen wird in der Auferstehung am letzten Tage." (Joh.11,24). Jesus hört diesen Satz und versteht, dass Martha hier nicht wirklich persönlich betroffen und angerührt ist. Sie weiss, dass es am Ende der Tage eine Auferstehung geben wird, sie hat das akzeptiert, aber es ist bei ihr nicht so real, dass sie es begreifen kann. Es ist weit weg, eine theoretische Möglichkeit, hat aber mit ihrem Leben hier und jetzt nicht viel zu tun. Jesus zeigt ihr zuerst mit Worten und dann auch in der Tat (durch die Auferweckung ihres Bruders Lazarus), dass der Glaube an den Christus sehr real ist, zum Greifen nah und auf jeden Fall mit Auswirkungen auf das Leben.
Das ist es auch, was Johannes meinte, als er sagte "Was wir gehört haben, was wir mit unseren Augen gesehen haben, was wir angeschaut und was unsere Hände betastet haben" - nicht nur ein verstandesmässiges Akzeptieren von theologischen Wahrheiten, sondern ein Erleben, das sehr weit und sehr tief geht.

Das ist das ewige Leben ! "Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt".

1.Joh.1,2-3 :
"und das Leben ist erschienen, und wir haben gesehen und bezeugen und verkündigen euch das ewige Leben, das bei dem Vater war und uns erschienen ist-----------------------was wir gesehen und gehört haben, das verkündigen wir euch, damit auch ihr Gemeinschaft mit uns habt; und unsere Gemeinschaft ist mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus."
Johannes und auch die anderen Apostel und Gläubigen befinden sich in Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus. Und sie haben gesehen, sie bezeugen und verkündigen auch uns heute das ewige Leben, was sie gesehen und gehört haben, das verkündigen sie uns auch heute noch durch Gottes Wort, die Bibel, damit auch wir Gemeinschaft mit ihnen haben. Ewige Gemeinschaft im ewigen Leben.
Johannes meinte natürlich nicht uns heute, als er das schrieb, er dachte an lebendige Gemeinschaft unter Glaubensgeschwistern hier auf Erden - zu seiner Zeit. Und doch gilt das auch für uns. Nur wenn wir das glauben, was die Apostel und verkündigen, nur wenn wir an dem festhalten, was die Lehre der Apostel ist, der Zeugen Jesu, nur dann haben wir Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn. Wir dürfen uns nicht unsere eigene Lehre zusammenbasteln, unsere eigene Religion erfinden, so wie das viele heute machen. Wir müssen einfach nur auf die Verkündigung der Apostel hören, denn sie haben es gesehen und gehört, sie haben es angeschaut und betastet, das Wort des Lebens. Und sie wissen, weil sie es selbst erlebt haben, was von Anfang war vom Wort des Lebens. Und die Apostel bezeugen und verkündigen uns in der Heiligen Schrift das ewige Leben, das ihnen geoffenbart worden ist. Sie haben es uns aufgeschrieben :
"Und dies schreiben wir euch, damit eure Freude vollkommen sei. " (Joh.1,4)
Jeremia 15,16 : "Als ich deine Worte fand, da verschlang ich sie; deine Worte sind mir zur Freude und Wonne meines Herzens geworden, ......." und genauso soll es uns mit der Bibel gehen. Wir sollen sie verschlingen und das Wort Gottes wird uns zur Freude werden. Und je mehr wir verstehen vom Wort des Lebens, desto vollkommener wird diese Freude sein.

Und jetzt geht es dann weiter in Vers 5 "Und das ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkündigen..." - hier sagt er es nochmal, daß diese Botschaft nicht von ihm oder von Paulus oder von Petrus oder von Jakobus stammt, sondern sie alle haben diese Botschaft von IHM gehört und geben sie nur weiter. Sie haben das Evangelium von Jesus bekommen und verkündigen es nun.
1.Joh.1,5-7 :
"5 Und das ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkündigen, daß Gott Licht ist und in ihm gar keine Finsternis ist. 6 Wenn wir sagen, daß wir Gemeinschaft mit ihm haben, und doch in der Finsternis wandeln, so lügen wir und tun nicht die Wahrheit; 7 wenn wir aber im Licht wandeln, wie er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft miteinander, und das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, reinigt uns von aller Sünde."

Gott ist Licht und in ihm ist keine Finsternis. Immer dann, wenn wir in unserem Leben, in unserem Reden, in unserem Denken, in unserem Handeln etwas entdecken, was auch nur ein bißchen finster ist, dann ist das nicht von Gott. Wenn es da etwas gibt, was wir lieber nicht im Licht vor den anderen zeigen wollen, dann ist das nicht von Gott. Es ist Finsternis und hindert uns daran, Gemeinschaft mit Gott zu haben. Denn Gott ist Licht.
Das Wesen Gottes ist Licht.
Und bis heute ist ja nicht völlig klar, was Licht eigentlich ist. Da hat der eine Wissenschaftler herausgefunden, daß Licht wellenförmige Strahlung ist und der andere hat herausgefunden, daß Licht aus Teilchen besteht und wieder andere haben festgestellt, daß beide Recht haben, wissen aber nicht, wie und warum. Licht ist einzigartig.
Goethe hat mal geschrieben "Wo Licht ist, da ist auch Schatten". Damit hat er Recht. Wenn er von menschlichem Licht ausgeht. Wenn wir Licht machen, dann ist da immer irgendwo der Schatten, das liegt auch weniger daran, daß da nichts im Weg herumstehen dürfte, was dann den Schatten macht. Es liegt daran, daß unser Licht niemals hell genug sein kann, auch den dunkelsten Schatten und den finstersten Winkel auszuleuchten. Aber Gott ist Licht und in ihm keine Finsternis. Wo er ist, da gibt es keinen Schatten. Da gibt es keine vesteckten Stellen, wo das Licht nicht so hinkommt.
Der Bundespräsident Roman Herzog hat 1998 in seiner Weihnachtsansprache gesagt "Die ganze Dunkelheit der Welt reicht nicht aus, das Licht einer einzigen Kerze zu löschen." Doch bei einer Kerze gibt es immer noch dunkle Stellen, es gibt Schatten, Bereiche, wo das Licht nicht so richtig hinkommt und es ist ganz allgemein auch begrenzt. Doch Gott ist unbegrenzt. Er ist ewig, allwissend und allmächtig und wenn wir ihm auch die dunkelsten Bereiche in unserem Leben übergeben, dann wird er da überall Licht machen. Und dann erfahren wir das auch, was in Vers 7 steht "das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, reinigt uns von aller Sünde.".
Das ist nicht immer angenehm, das ist nicht immer bequem, aber es führt uns zur vollkommenen Freude.
Wir könnten natürlich auch sagen, bei uns ist doch alles in Ordnung. Wir können natürlich auch so tun, als wäre alles bei uns schon im Licht. Aber ist das realistisch ? Die Apostel hatten auch mit Sünden zu kämpfen. Paulus schrieb davon im Römerbrief (Römer 7,15-25).
Ist es ralistisch zu sagen, wir hätten keine Sünde ?
1.Joh.1,8-10 :
"8 Wenn wir sagen, daß wir keine Sünde haben, so verführen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. 9 Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, daß er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit. 10 Wenn wir sagen, daß wir nicht gesündigt haben, so machen wir ihn zum Lügner, und sein Wort ist nicht in uns. "
Ich habe diesen Abschnitt und besonders Vers 9 immer als besonders wichtig und tröstlich empfunden. Nicht weil ich einer von denen wäre, die glauben sie seien perfekt, sondern gerade weil ich weiß, wieviele Fehler ich mache. Und "Fehler" - das Wort allein ist ja schon wieder verharmlosend. Es geht hier um Sünde und da ich weiß, daß ich immer noch sündige, brauche ich auch Gottes Vergebung. Und deswegen freue ich mich auch sehr über dieses Wort Gottes hier an dieser Stelle.
"Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, daß er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit." (1.Joh.1,9)

Man muß aber auch hier auf jedes Wort achten, man muß sich ganz genau anschauen, was Johannes hier geschrieben hat und sich ganz genau überlegen, was er gemeint hat, dann wird das Ganze noch wertvoller, als es auf den ersten Blick schon ist.
Zuerst fiel mir der Unterschied zwischen den verschiedenen Worten "Sünde", "Sünden" und "Ungerechtigkeit" auf. "Sünde", das ist das Prinzip, das ist die Art und Weise, wie wir leider immer noch leben und wer sich hier etwas vormacht, der verführt sich selbst. Wir alle sind trotz unserer neuen Natur, trotz des Heiligen Geistes, den wir bei der Bekehrung bekommen haben, immer noch Sünder. Und wir leben zwar nicht mehr in der Sünde wie vor unserer Bekehrung, aber die Sünde gibt es noch in unserem Leben. Wir sind nicht mehr Sklaven der Sünde wie vor unserer Bekehrung, aber es gibt doch immer noch Dinge, die nicht gut sind - in unseren Gedanken, in unseren Worten und in unseren Taten.
Und wer von sich etwas anderes behauptet, der verführt sich selbst....
Doch in Vers 9 schreibt Johannes dann nicht mehr von der "Sünde", sondern von den "Sünden" :
"Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, daß er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit." (1.Joh.1,9)
Die "Sünde" ist die Art und Weise, wie wir immer noch viele Dinge tun, obwohl wir gerettet sind. Die "Sünden", das sind die einzelnen Vergehen, wie zum Beispiel eine Lüge oder Haß auf einen Menschen oder Neid wegen einer bestimmten Sache. Paulus schrieb (Römer 7,15-25), daß er das tut, was er nicht will, ja er ging sogar soweit, gleich zweimal zu behaupten, daß die Sünde immer noch in ihm wohnt.
Wenn wir nun diese Dinge vor Gott im Gebet bekennen, dann wird Gott uns diese "Sünden" vergeben - und jetzt kommt die große Sache, die so ganz versteckt am Schluß steht - und er reinigt uns von aller Ungerechtigkeit. Was ist das denn jetzt ? Was ist damit gemeint.
Nun, ich denke, und da bin ich mir ziemlich sicher, daß es hier nicht nur um die Sünden geht, die uns bewußt werden. Ich denke, daß wir jeden Tag noch ziemlich heftig sündigen, ohne daß uns das jemals bewußt wird. Das sind vielleicht keine großen Sachen, aber vielleicht ein böser Gedanke über einen Menschen, den ich dann gleich wieder vergesse oder ein unsauberer Blick oder ein böses Wort.
Das Problem ist nun, daß wenn ich von einer einzelnen Sünde nichts weiß, dann kann ich sie auch nicht bekennen. Dann stünde aber wieder eine Sünde zwischen mir und Gott. Zwar wäre ich dann immer noch gerettet, denn das Strafgericht für meine Sünden hat ja Jesus getragen und das, was er am Kreuz für uns getan hat, ist völlig ausreichend. Für immer. Für alle. Für alles.
Und doch würde etwas zwischen mir und Gott stehen. Die Gemeinschaft wäre behindert oder unterbrochen, wenn wir wieder sündigen und es nicht bekennen. Doch so ist es eben nicht. Oder besser gesagt, so muß es nicht sein.
Wenn ich vor Gott trete und ihn um Vergebung meiner Sünden bitte und ihm alles bekenne, was ich weiß, dann wird er mir auch die Dinge vergeben, deren ich mir gar nicht bewußt bin.
So groß ist die Gnade Gottes. So sehr liebt uns unser Vater im Himmel. So wunderbar ist das, was Jesus Christus für uns am Kreuz getan hat. Das Blut Jesu Christi hat uns bei unserer Bekehrung ein für allemal völlig von unseren Sünden gereinigt (Kol.2,13). Und nun sorgt Gott auch noch dafür, daß nichts zwischen uns und ihm zu stehen braucht. Denn er will ja Gemeinschaft mit uns haben. Das ist ja auch der Grund, warum Johannes diesen Brief schreibt, weil er uns in die Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn führen will (1.Joh.1,3) und das führt zu vollkommener Freude (1.Joh.1,4).
Und vollkommene Freude, das ist genau das, was wir bekommen, wenn wir das, was Johannes hier schreibt, begreifen : Das Wort des Lebens, das ewige Leben, das unauslöschliche, ewige und wunderbare Leben, das vorher beim Vater war, ist offenbar geworden. Und wir dürfen Gemeinschaft haben mit dem Vater im Himmel und mit seinem Sohn Jesus Christus. Wir dürfen Gemeinschaft haben mit dem, dessen Licht so strahlend und hell und rein ist, daß es da gar keine Finsternis gibt. Und trotz unserer Unvollkommenheit und unserer Fehler vergibt uns Gott unsere Sünden und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit - damit wir volle Gemeinschaft mit ihm haben können und damit auch vollkommene Freude. Darum wollen wir ihm alle unsere Sünden bekennen und wie Paulus schreibt "...laßt uns nun ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts!" (Römer 13,12)